von Hannes Egli
Beitrag zur ökologischen Diskussion
Kunst in all ihren Formen ist Gestaltung. Die Sängerin gestaltet Ton und Klang. Der Schreibende gestaltet Sprache. Die bildenden oder visuellen Künste gestalten Materie.
Im Gestalten – wenn es engagiert und aufrichtig vonstatten geht – treten wir in eine Auseinandersetzung mit unserem Material. Das Material, mit dem wir arbeiten, ist keine isolierte Realität. Hinter ihm öffnet sich die ganze Dimension von Materie, Raum und Zeit, mit einem Wort: die Welt. Sie berühren wir in der Berührung mit unserem Material.
Ich kann also gar nichts gestalten, ohne damit in einen direkten Bezug zur Welt zu treten. Jeder Eingriff verändert etwas an der Welt. Die Richtung, in die die Veränderung geht, wird von mir mitbestimmt. Es macht einen Unterschied, ob ich das Werk für die Gemeinschaft mache oder gegen sie. Meine Arbeit kann auf Isolation abzielen oder auf Oeffnung, aufs Horten oder aufs Teilen, sie kann blockieren oder bewegen.
Wenn Kunst, wie es ihrem Wesen entspricht, auf Austausch zielt, wenn ihr Inhalt die Beziehung zur Welt ist, oder besser noch: wenn sie selber zu einer Beziehung zwischen Mensch und Umwelt wird, dann bewirkt sie auch ökologisch etwas. Wir können nicht in eine gestaltende, künstlerische Beziehung zur Welt treten und gleichzeitig diese Welt ausbeuten und schädigen.
Hieraus folgt, dass ich in Umweltfragen sehr stark mit der Kunst rechne. Viele Umweltprobleme entstehen nur deshalb, weil aus einer einseitig technischen Sicht heraus entschieden und gehandelt wird. Eine künstlerische Betrachtung der Welt ist offener und breiter angelegt. Aus dieser ganzheitlichen Sicht heraus werden wir andere, nachhaltigere Entscheidungen treffen sowohl was die Umweltfragen als auch was das soziale und politische Gefüge der Welt betrifft.