Carlo Mettauer
Hannes Egli hat ein interessantes künstlerisches Werk geschaffen, arbeitet kontinuierlich und diszipliniert daran. Seine neuesten Arbeiten bilden den Schwerpunkt des Bildbandes und zeigen die spannende Entwicklung in seiner Malerei auf. Strasse, Brücke, Tankstelle, Nature Morte, - Themen, welche der Künstler als „Landschaft im weiteren Sinne“ bezeichnet. Egli ist stilkundlich in einer Generationenfolge eingebettet. Er pflegt seit Beginn seines Schaffens die gegenständliche Malerei, ist immer dabei geblieben, solide, echt, eigenständig, unbeirrt von modischen, zeitgenössischen Strömungen und Experimenten.
Carlo Mettauer, Stadtrat, Schulleiter und Galerist, Aarau
Brigitte Künzli-Seiler
Was tut also ein Künstler, der „realistisch“ arbeitet? Er nimmt Elemente aus der Realität und setzt sie nach seiner eigenen Erfindung neu zusammen. Damit schafft er eine neue Realität, eine poetische, die der natürlichen Realität an die Seite tritt.
Immer drückt er dieser poetischen Realität seinen ganz persönlichen Stempel auf, so dass sich ein Realist nicht mit einem anderen verwechseln lässt.
So ist es bei Hannes Egli. Auf den ersten Blick lassen sich seine Bilder identifizieren, ob er nun eine stille Flusslandschaft, eine Stadt, ein Industriegebäude oder ein Stück Autobahn darstellt. Gerade diese Hinwendung nicht nur zur Landschaft, sondern auch zum nicht organisch Gewachsenen, zu Röhren, Strassen und Fabriken, wie wir sie in unseren Landschaften eben antreffen, weist ihn als poetischen Realisten aus.
Brigitte Künzli-Seiler, Germanistin, Aarau
Kathrin Frauenfelder
Hannes Egli zielt mit seiner Malerei in eine ganz besondere Richtung. Er richtet sein Augenmerk grundsätzlich nicht auf die glamourösen Seiten der heutigen Zivilisation, sondern auf Infrastrukturen, auf Orte und Dinge, die keinen Glanz ausstrahlen. Indem er diese Räume und Gegenstände in ungewöhnlicher Perspektive darstellt, zeigt er uns Aspekte unserer Umgebung, denen wir sonst kaum Beachtung schenken. Mit seinen Bildern lädt der Maler diese Motive mit Bedeutung auf. Sie werden für uns sehens- und bedenkenswert.
Katrin Frauenfelder, Kunsthistorikerin, Zürich
Ruth Ghisler
Hannes Egli hält eine eigenständige Position innerhalb der gegenständlichen Kunst. Er kommt von der klassischen französischen Pleinair-Malerei her. Sie ist seine Domäne, in der er sich seit zwei Jahrzehnten behauptet. Er ist Landschaftsmaler vom Temperament her und stellt sich daher immer den Gegebenheiten des Hier und Jetzt. Auf seinen Bildern erscheint eine zunehmend von technischen Elementen durchsetzte Natur. Doch Natur und Technik koexistieren nicht bloss bei Hannes Egli, sondern sie harmonieren. Das ist ein Kennzeichen seiner Malerei. Er versöhnt diese nur scheinbar feindlichen Mächte auf eine einleuchtende und überraschende Weise.
Dr. Ruth Ghisler, Künstlerin und Gymnasiallehrerin, Wettingen
Stephan Mathys
In Hannes Eglis Landschaften, in den Brücken- und Tankstellenbildern ist der Mensch oft abwesend. Es sind nicht verlassene oder abweisende Räume, sie sind durchaus begehbar, zum Teil sogar einladend. Egli sagt: Der Betrachter spielt als Figur selber auch eine Rolle. Der Bildraum öffnet sich, er wird zu dieser Person, die im Moment gerade nicht im Bild ist.
Egli mag es nicht, wenn die Farben psychologisiert werden. Er sagt, es gibt zu viele Missverständnisse. Du kannst nicht die kalten Farben weglassen, damit alles warm wirkt. Ein roter Raum erscheint bei längerer Betrachtung sehr schnell grau. Es braucht immer Gegensatzpaare! Mit den ganzen Brücken, Strassen und Tankstellen schaffe ich graue Flächen. Mit den Akzenten von Rot und Gelb dringt eine emotionale Komponente hinein. Und siehst du, das leuchtende Orange der Sicherheitsweste und die silbernen Reflexstreifen verändern sich, wenn der Bauarbeiter den Kompressor einschaltet und von den Vibrationen der Maschine erschüttert wird.
Stephan Mathys, Schriftsteller und Kunsttherapeut, Bern
Rudolf Künzli
Das ist alles andere als ein naiver Realismus des Abbildens. Es steckt dahinter ein entschiedener Form- und Gestaltungswille. Ein Gestaltungswille freilich, der den Gegenständen keine Gewalt antut, sie nicht hinter der blossen Form, der Farbe und Textur verschwinden lässt. Die Welt verdunstet nicht in der Abstraktion, sie bleibt material und präsent.
Kein Zweifel, hier philosophiert einer mit dem Pinsel. Ein malender Metaphysiker ist dieser Hannes Egli. Man sieht’s auch an den Farben, dem dominanten Blaugrau und Braungelb. Ihm geht es um nichts Geringeres als ums Dasein, die pure Existenz und Präsenz der Welt. Alles was ist, hat mehr Recht als das bloss Gewollte, Gemeinte, Gedachte. Seine Bilder sind eigentliche Daseinsfeste.
Dr. Rudolf Künzli, ehem. Leiter FHNW Pädagogik, Aarau